Stadt Neudenau

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Neudenau

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Historische Innenstadt
Historische Innenstadt

„Busingen“ war der alte Name von Neudenau. Urkundlich belegt ist dies im Jahr 1263. Im Testament des Ulrich III. von Dürn heißt es: „… in der Stadt Nidenowe, welche früher Busingen hieß …“. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Name Neudenau 1251, „Nidenowe“ geschrieben, später auch „Neydenawe“. Schließlich wurde bei den großherzoglich badischen Beamten daraus „Neudenau“.

Im heute noch „niedere Au“ oder „untere Au“ genannten Gewann stand ein Gutshof des Klosters Amorbach. Die Flurnamen „Hofwiesen“ und „Hofgraben“ erinnern noch heute daran. Die Ansiedlung in der niederen Au dehnte sich allmählich bis zum Dorf Busingen hin aus und verdrängte den alten Ortsnamen.

Das Benediktinerkloster Amorbach hatte hier also Besitzungen, Konrad von Dürn, Schutzherr des Klosters Amorbach, erbaute um die Mitte des 13. Jahrhunderts auf der Anhöhe eine feste Burg. In deren Schutz entstanden Bürgerhäuser. Das Ganze wurde mit einer starken Mauer, Wall und Graben umgeben und durch 7 Türme geschützt. Reste der Mauer sind noch auf der Südseite, dem Jagsttal zu, vorhanden, sowie das Untergeschoss eines Stadtmauerturmes beim ehemaligen Schwesternhaus. Eng drängten sich die Bewohner, Bauern und Handwerker in den Schutz der Stadtmauer. Die schmalen Gässchen im Stadtkern zeugen noch heute davon.

Gässchen in Neudenau
Gässchen in Neudenau

Das Kloster Amorbach verkaufte einen Teil seiner hiesigen Besitzungen an das Ritterstift im Wimpfen, das auch schon Deitingen zu eigen hatte. Im 14. Jahrhundert waren zeitweise Konrad von Weinsberg, Konrad von Heinriet und Burkard von Sturmfeder im Besitz der Stadt. Letztere erbauten sich ein eigenes Herrschaftshaus an der südlichen Stadtmauer, das 1999 leider abgerissen wurde. Die Sturmfeder verkauften Neudenau 1364 an Fürstbischof Gerlach von Mainz. 

Bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 unter Napoleon blieb Neudenau unter der politischen Herrschaft der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz. Die kirchliche Oberhoheit hatte jedoch der Fürstbischof von Würzburg.

Das Kurfürstentum Mainz wurde in Oberämter eingeteilt, das unsere war das Oberamt Amorbach, die Oberämter wiederum in Ämter. Neudenau wurde Amt für Neudenau, Stein und Herbolzheim. Der Amtmann hatte seinen Sitz in der Burg. Zunächst hatte er militärische Aufgaben, später die exekutive und richterliche Gewalt. Die Finanzverwaltung jedoch unterstand dem Amtskeller. Diese „Keller“ wurden mehr und mehr die eigentlichen Beamten, Amtmänner gab es um 1700 nur noch in den größeren Orten. Der für Neudenau zuständige Amtmann saß in Krautheim.

Bei der Säkularisation durch Napoleon erhielt Graf Wenzel von Leiningen-Heidesheim die Kellerei Neudenau als Ersatz für seine linksrheinischen Besitzungen, die er an Frankreich hatte abtreten müssen. Doch schon 1806 ging die Herrschaft der Leininger hier wieder zu Ende. Neudenau wurde „mediatisiert“ und ging an das von Napoleon aus verschiedenen Teilen zusammengewürfelte Großherzogtum Baden über. 

Neudenau, Stein und Herbolzheim wurden Gemeinden des badischen Bezirksamtes Mosbach und blieben bis zur Kreisreform 1973, bei der sie zu dem verkehrsmäßig günstiger gelegenen Kreis Heilbronn kamen.

Josefine-Weihrauch-Museum
Josefine-Weihrauch-Museum

Ein Sohn des Wenzel von Leiningen, Clemens August, ließ 1840 die Burg zu einem gräflichen Schloss umbauen. Seine Witwe verkaufte es an den Heidelberger Wilhelm Nägele. Von dessen Erben erwarb es die Stadt Neudenau und nutzte es als Schulhaus bis zum Jahr 1961. Heute beherbergt es das „Josefine-Weihrauch-Heimatmuseum“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Einwohner stark an, vor allem auch durch die große Zahl Heimatvertriebener aus Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakei, die hier eingewiesen wurden. Allmählich konnten sie sich mit der Unterstützung der „Neuen Heimat“ – eine Gründung des katholischen Dekans Krämer, Mosbach – Häuser bauen. 

Heute hat sich Neudenau weit über den alten Stadtkern ausgedehnt bis auf die Hänge rechts und links der Jagst. Neben einigen Industriebetrieben hat es sich zu einem Wohnort entwickelt, an dem stadtmüde Menschen die reizvolle Landschaft, den ausgedehnten Wald und die noch gute Luft schätzen.